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Klogeheimnisse

Nicht nur auf der Kaisermeile fehlt gelegentlich ein Klo!

Aber Augsburg bemüht sich. 2002 gab es im Umweltausschuß einen Grundsatzbeschluß, der besagt, dass die Gemeinschaftstoiletten in den städtischen Kleingartenanlagen, die noch keinen Kanalanschluß haben, an die Kanalisation angeschlossen werden!

 

Augsburger Trinkwasserschutzgebiet - Klosett ohne Kanalisation

Als es 2004 darum ging, Kleingartenanlagenklos auf dem städtischen Grundstück nebenan im Wasserschutzgebiet bei unserem privaten Kanal mit anzuschließen, schrieb uns die Stadt:

    „Nach eingehender Prüfung mit der entsprechenden Kostenermittlung sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass die beiden situierten Gruben beibehalten (...) ein Anschluß an das öffentliche Kanalnetz kommt nicht zum Tragen.”

     

Abwasserentsorgung nach Art eines Regierungspräsidenten

Die auch als „Augsburger Grube” bekannte und beliebte Entwässerungslösung ist eine „abflußlose Dreikammern-Ausfaulgrube” die, gemäß seines Wissensstandes vom Jahr 2007, nach einem „früheren Standard” genehmigt wurde und ewigen Bestandsschutz genießt. Plumps!

 

Warum sagte OB Gribl auf der Bürgerversammlung ...

...in Haunstetten am 17. November 2008 vor gut 250 Zuhörern: „...überlegen Sie sich das gut, ob Sie das wirklich wollen. Da kommen Kosten auf Sie zu!“, als der Vorstand des Haunstetter Kleingartenvereins den Antrag auf Anschluss an die Kanalisation, für die Toiletten seiner Vereins-Kleingartenanlagen im Wasserschutzgebiet, stellte? Den Antrag formulierte OB Gribl (CSU) um. Die Verwaltung solle die Möglichkeit erst mal prüfen ... Geprüft wurde. Ein Kanalanschluß im Trinkwasserschutzgebiet ist zum Wohl der Allgemeinheit. Wie könnte ein OB dagegen sein? Doch das Grundstück, es gehört der Stadt Augsburg, hat bis heute keinen Anschluß an die Kanalisation.  

Kanalanschluß unerwünscht?

Da dort zudem der Bebauungsplan für die Kleingartenanlagen fehlt und das Planverfahren eingestellt werden soll, ist auch denkbar, dass die Stadt die derzeitige Situation nicht verfestigen und daher, trotz Wasserschutzgebiet, keinen Anschluß an die Kanalisation schaffen will.

 

2009


630 000 Euro für ein Kleingarten-Klo?

 

Steuergelder ab ins Klo

In Zeiten der Finanzmisere reden alle vom Sparen. Nur Umweltreferent Schaal (CSU) stellt generös die Weichen auf Verteuerung, wenn die Gemeinschaftsklos von Kleingartenanlagen an die Kanalisation angeschlossen werden sollen.

2009 kein Klo mit Kanal - aber wieder ein Beschluß

Am 23.11.2009 wurde beschlossen, die drei Anlagen "Brunnenbach", "Brunnenbachwiesen" und "Lochbachgärten Süd" im Haunstetter Wasserschutzgebiet anzuschließen. Lt. Beschlußvorlage dafür veranschlagte Gesamtkosten: 630 000 Euro bei 1005 m Abwasserleitung.

Im Winter 2008 wurden bereits die drei großen Anlagen "Alpenblick" Nord, Mitte und Süd im Haunstetter Wasserschutzgebiet mit einer Abwasserdruckleitung angeschlossen, per Beschluß vom 8.3.2007 - Gesamtkosten: 160 000 Euro bei 750 m Abwasserleitung

Es wurde hier 2009 ein Preis angesetzt, der fast das Dreifache dessen beträgt, wofür ein gleichartiger Kanalanschluß im Jahr 2008 von der Stadt hergestellt wurde.

Die Notwendigkeit von Kanalanschlüssen im Wasserschutzgebiet steht außer Frage , doch weshalb setzt Umweltreferent Schaal einen “Mondpreis” in seiner Planung an? Der Beschluß unserer Stadtpolitik legt für die Zukunft die grundsätzliche Bereitschaft Augsburgs fest, für einen Kanalanschluß gerne auch das Dreifache zu berappen. Es geht in dem Beschluß vom 23.11.09 um Kanalanschlüsse für 32 Kleingartenanlagen im Gesamtvolumen von 3,7 Millionen Euro!

Verglichen mit dem, was Privatleute für dieselbe Baumaßnahme auf dem freien Markt bezahlen, ist die Rechnung des Umweltreferenten nicht seriös. 2007 zahlten wir im gleichen Gebiet in Haunstetten für das gleiche System mit ca. 250 m Abwasserdruckleitung incl. Pumpschacht/Technik/Anschluß- und Planung knapp 50 000,- Euro.

 

Sollte der Beschluß eine reine Luftnummer sein?

Am 25. Februar 2010 berichtete die Augsburger Allgemeine ausführlich über diesen fragwürdigen Beschluß. Umweltreferent Rainer Schaal war bis Redaktionsschluß für eine Stellungnahme nicht mehr zu bekommen. Eine Woche später war dann doch eine Stellungnahme in der AZ zu lesen.

Referent Schaal nimmt es offenbar nicht so genau, denn er legt überhöhte Zahlen zur Abstimmung vor und räumt ein, dass er kein Ingenieurbüro beauftragen wollte „das einen genauen Kostenvoranschlag erstellt“. Der Referent meint, Beschlüsse liefern lediglich Richtwerte.

Doch genau das ist das Schlimme! Sind die Richtwerte überhöht, wird es der Verwaltung ermöglicht - mit Zustimmung des Stadtrates - Aufträge zu überhöhten Preisen zu erteilen.

Für reelle Richtwerte bräuchte Herr Schaal keinen Ingenieur, nähme er den Erfahrungswert von 220 Euro Kosten pro Meter für den Kanalanschluß der Kleingartenanlage Alpenblick. Stattdessen werden in der Beschlußvorlage aber Kosten von 500 Euro pro Meter für Alpenblick genannt und für die Anlagen am Brunnenbach ein Phantasiepreis von 626 Euro veranschlagt.

630 000 Euro für ein Kleingarten-Klo - aber nur 150 000 Euro stehen jährlich zur Verfügung. Da muß der Umweltreferent lange sparen ... Wenn die Stadt kein Geld für Abwasserkanäle im Wasserschutzgebiet ausgeben oder dort Kleingartenanlagen nicht durch Kanalanschlüsse verfestigen will, ist der Beschluß eh reine Augenwischerei. Führt sie aber mit Referent Schaals “Richtwerten” doch eine Maßnahme durch, rauscht eine Menge Steuergeld buchstäblich ins Klo.                                                                      März 2010

- Augsburger Allgemeine: Bürger schauen der Stadt auf die Finger, vom 25.2.2010

- Augsburger Allgemeine: Beschlüsse liefern lediglich Richtwerte, vom 4.3.2010

- Leserbrief AZ: Beschlüsse als Luftnummern? vom 11.3.2010

                                            

Kleingartengebiete in Städten sind häufig Bauland- oder Gewerbegrundreserven, die nicht durch eine Kanalisation verfestigt werden, wenn die Stadt später ohnehin eine Umwandlung plant. In Haunstetten soll das Planverfahren jetzt abgeblasen werden ...