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Die grüne Lagune

2009

Im Wasserschutzgebiet Augsburg-Haunstetten

Direkt hinter den Häusern der Martinistraße liegt, wie eine grüne Lagune, der Obere Krautgarten. Dieses Fleckchen Stadt hätte längst beplant gehört, doch die Planer ließen das Gebiet liegen. Auf Nachfrage erhielt bisher jeder die Auskunft: Da ist nichts geplant!

Früher gab es dort nur ein einziges, altes Wohnhaus und schmale Streifen von Krautgärten. Mit den Jahren wuchsen Häuschen auf den Krautstreifen. Die Leute behalfen sich planlos. Heute ist die Lagune dicht bebaut mit Häuschen. Manche sind fast ganzjährig bewohnt. Das Hausen ist dort zwar primitiv. Es fehlen sanitäre Einrichtungen, vom Kanalanschluß ganz zu schweigen.

Doch manchem gefällt es, täglich mit reichlich Alkohol am qualmenden Lagerfeuer auf der Terrasse zu sitzen. Dem tun selbst Temperaturen rund um den Gefrierpunkt keinen Abbruch. Ballermann ist nicht nur in der Maxstraße zuhause, sondern auch am Stadtrand. Ebenso wie seine Freundin, die Schlägerei. Und wenn die Hüfte gerade mal locker ist, dann kann man das in lauen Nächten lautstark mit anhören, denn auch das geschieht auf der Terrasse.

Ein Brennpunkt entsteht

Einige Grundstücke sind keine Gärten mehr, wo Salat und Gemüse sprießen. In Haunstetten ist das lange schon bekannt. Mancher träumt dort den Traum vom billigen Wohnen im Gartenhäuschen und in der grünen Lagune kann man machen, was man will. Ohne Genehmigungen - man bekommt eh keine - muß man auch keine Auflagen für den Wasserschutz erfüllen.

„Wir kommen ja nicht, wir schauen nicht hin. Lebe mich! Dein Augsburg.”

Das schadet all jenen, die ihre Gärten als Gärten nutzen. Wer sich korrekt verhält, ist in Augsburg der Dumme. Wenn Stadtverwaltung und Stadtteilpolitik nicht aufpassen, entsteht dort ein Brennpunkt von größerer Tragweite. 2009 eskalierte die Situation bereits, doch unsere Stadtpolitik schaut weiterhin zu. Seit 1988 ist die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen. Dennoch bleibt das Gebiet auch in Zukunft regellos sich selbst überlassen.

Es genügt nicht, die Trambahnhaltestelle an der Haunstetter Straße zu verschönern, während man die grüne Lagune im Wasserschutzgebiet im Argen läßt. Davon sind die Anwohner der Martinistraße betroffen, sowie wir und die vielen Spaziergänger und Freizeitsportler, die täglich zum Naherholungsgebiet Haunstetter Wald laufen.

Wer die Entwicklung zu einem „Fischerholz” (das Gebiet am Ende der Äußeren Uferstraße beim Klärwerk) zuläßt, schadet letztlich dem gesamten Stadtteil Haunstetten.

Wer ist zuständig?

Der Kleingartenentwicklungsplan im Stadtentwicklungsprogramm Augsburg erfaßte die grüne Lagune im Jahr 2005 als zum Stadtverband Haunstetten der Kleingärtner e.V. gehörig. Doch der Verein erklärt sich am Oberen Krautgarten für nicht zuständig.

Kleingartenentwicklungsplan - Stadtentwicklungsprogramm Augsburg (pdf)

 

Ungeregelt - so weit ist es schon

Dichte Bebauung - Vor Jahrzehnten gab es am Oberen Krautgarten nur ein paar Schuppen auf privaten Gemüsebeeten. Es wurde mit der Zeit mehr und die Bebauung wächst von Jahr zu Jahr. Bauordnungsamt und Umweltamt waren vor Ort. Trotz absolutem Bauverbot im Wasserschutzgebiet, duldet die Stadt alles.

Keine Regelung - Der Stadtverband Haunstetten der Kleingärtner e.V. erklärt sich für nicht zuständig. Es gibt keine Gartenordnung, keine Regeln. Die Stadt macht keinerlei Auflagen und setzt einer wilden Besiedelung nichts entgegen. Der Ordnungsreferent erklärte sich für nicht zuständig. Es wird z.T. dauerhaft in Gartenhäusern gehaust und oder im Zelt campiert. Strom, Wasser, Öfen sind vorhanden, Terrassenbeheizung mit qualmendem Feuer, Brandgeruch in der ganzen Umgebung, auch Abfall und Möbelholz werden verbrannt, Klos ohne Kanalisation.

Gefährdungspotential - offene Feuer, Gasflaschen. Im Ernstfall wäre der mittlere Bereich für die Feuerwehr nicht erreichbar, z.T. keine Abstandsflächen zwischen den Gartenhäusern. Etliche Gebäude haben keine Zufahrt. 

Öffentliche Sicherheit - Saufgelage, lautstarke Streitereien, Randale, Pöbelei gegen Anlieger.

Keine Idylle - Anfang 2010 hinterließ ein Pächter seinen Garten beim Auszug als Bild der Verwüstung. In sinnloser Wut wurde alles zerschlagen und lag danach - monatelang - für alle Nachbarn und Passanten sichtbar da. Einige Grundstücke sind keine Gärten, sondern Baustofflager und Schrottplätze.

Es ist wie ein Übergangsstadium, in dem alles möglich ist, und wenn die kritische Grenze erreicht wird, kippt die Stadt das Ganze.

2009

Stadträte planen grüne Wiese                                                                                 Nov. 2011

Im Herbst 2011 wurde bekannt, dass der Stadtrat der Stadt Augsburg bereits 1993 beschloß, das Gebiet in Grünflächen umzuwidmen. Baureferent Merkle sagte im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen (Artikel vom 27.10.11), dass die Grünflächenplanung irgendwann umgesetzt werden solle. Das bedeutet, dass dann Hunderte Kleingärten abgerissen werden sollen. Ein Teil befindet sich auf städtischen Grundstücken, der Rest ist privat. Dazwischen sind auch reine Gemüsegärten, die der Grünflächenplanung der Stadträte zum Opfer fallen.

Das heißt, wenn das Gebiet arg herunterkommt bzw. wenn Stadtverwaltung oder Stadträte Sicherheitsmängel und Verstöße als Begründung zur Umsetzung des Beschlusses heranziehen wollen, dann kommen alle Gärten weg und es gibt Grünflächen. Je weniger sich also die Stadt um das Gebiet kümmert, desto schneller bekommt sie ihre geplanten Grünflächen. 

Alle, die zulassen dass das Gebiet herunterkommt, fördern die Beseitigung der Gärten!

unsere Gemüsegärten werden wir dann verlieren

Sündenbock für die Beseitigung gesucht

Wozu eine Petition von Bürgerseite?

Oberer Krautgarten - Baulandreserven

Ungeregelt verkommt das Gebiet

Fakten zum Gebiet

© Karin Brandl, Alchima