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Eine köstliche Satire über Verordnungswut, Genehmigungswahnsinn und Willkür.

Karin Brandl

Brillen für die Bürokratie

100 Seiten, mit Illustrationen der Autorin, 12,80 Euro (D) ISBN 978-3-932669-09-5, Alchima 2009

Eine kurzsichtige Bürokratenschaft will Josefa und Franz ihr Haus im Wasserschutzgebiet mit allerlei Hinterlist entreißen. Aber so sehr sie es auch versuchen, sie schaffen es nicht. Dank eines übersinnlichen Drahtes, greifen gute Geister stets hilfreich ein, wann immer es brenzlig wird.

Eine köstliche Satire mit wahrem Hintergrund, über Verordnungswut, Genehmigungswahnsinn und Willkür.

 

Wer sich je mit bürokratischen Hürden herumplagen mußte, wird helle Freude an dem Büchlein haben, denn hier geht es um einen Sieg über die scheinbar allmächtige Bürokratie.

Das Buch bezieht sich auf einen authentischen Fall, nachzulesen unter Bürokratie

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Leseprobe

Inhalt

Feengewebe   -   Lieber Schwalben und Biber    -   Unter Bürokraten    -   Das gute Gewissen   -   Zuschuß ausgeschlossen    -   Ein Ding der Unmöglichkeit   -   Reine Abzocke    -   Gezinkte Pläne?    -  Schlepptau am Privatkanal   -   Anarchie am Stammtisch   -   Alles genehmigt     -   Unter Beobachtung   -   Grenzstreit     -   Kanal in der Sackgasse  -   Geisterbeschwörung    -   Der heilige Versprecher  -   Zettelbürokratie   -   Dunkle Machenschaften  -   Rattus rattus    -  Nemesis     -  Der Tag der Erleuchtung  -  Nachwort der Autorin  -  Danke

 

 

Feengewebe

Fünf Jahre brauchten wir, um aus Franz´ Elternhaus eine Heimat für unsere Zukunft zu machen. Anstrengende Jahre, aber schuld war nicht der Umbau, obwohl wir das meiste mit eigenen Händen gebaut haben. Wir konnten ja nicht wissen, dass wir mit unserem harmlosen Ansinnen das Haus betreffend, an einer Front landeten, welche hart umkämpft war. Dieser Krieg war nicht offensichtlich. Eher eine Guerilla, die uns im bürokratischen Dschungel immer wieder auflauerte. Doch allen Schwierigkeiten zum Trotz erfüllte sich damit mein Schicksal. Die Stadt, in der ich lebe, wollte mich unbedingt behalten. Nach dem Studium hätte ich sie am liebsten gleich wieder verlassen, aber sie ließ sich einiges einfallen, damit ich blieb und auch ihr zum Schicksal wurde. Zuletzt verlieh sie mir, wenn auch nicht freiwillig, eine Hoheit und ich wurde Königin; der Stoff meiner Geschichte, den mir Feen schon an der Wiege webten.

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Ein Kind sitzt in der Wiege und guckt über den Rand. Das bin ich, Josefa. Da fliegt ein Ziegelstein aus dem Nichts herbei. Ich fange ihn mit einer Hand, leicht wie einen Federball, und beinahe will ich ihn schon zurückwerfen. Da wird er plötzlich schwer und fällt mir aus der Hand, mitten in die Wiege. Liegt da, wie ein Schicksal, breit, unverrückbar, auf meinem Platz. Bereitwillig lege ich mich daneben. Das Schicksal riecht nach Staub, Kalk, Zement. Doch plötzlich mischt sich ein zartgelber Duft hinzu, wie die Ginsterblüte im italienischen Sommer. Es ist so schön, das muß wahr sein, ein Aroma des Glücks! Plötzlich raschelt schwere Seide und 13 Feen, in lange Röcke und brokatene Blusen gekleidet, jede in einer anderen Farbe, versammeln sich um mein Bettchen. Sie schauen hinab auf mich mit dem Stein. „Der Stein ist nicht kaputt“, sagt eine in Hellblau.

„Den kann man immer noch nehmen“, eine Rotgewandete. „Der ist den Trümmerfrauen übriggeblieben. Sie hatten keinen Platz mehr. Jetzt nimm´ ihn Du und mach` was draus!“ Ich verstehe sofort, dass das ein magischer Moment ist. Schließlich lebe ich nicht das erste Mal. Feen an der Wiege! Da geht es ums Wünschen. Also jetzt oder nie, und bloß keinen Fehler machen! „Ein Haus“, sage ich. „Ich mache ein Haus draus, eine Burg, und ich werde Königin.“ Die Feen lachen. „Sieh mal an. Hohe Ansprüche stellst Du ja keine“, ruft die Hellblaue. „Wie wäre es mit Königin der Selbermacher“, fragt eine andere in silberner Robe. „Einverstanden!“ Und dann geht es wild durcheinander. Jede kann etwas und will es mir beibringen.„Darfst Du alles selber machen!“ „Nähen.“ - „Stricken.“ „Kochen!“ „Häkeln, weben, knüpfen.“ „Denken“, brüllt eine dicke Fee in tiefem Waldgrün dazwischen.

„Schreiben.“ - „Malen.“ „Orakeln und zaubern.“ „Das kommt doch erst später!“ „Was, das kann doch jedes Kind!“ Gleich zanken sie sich.

 

 

Nachwort der Autorin

„Hindernisse überwinden ist der Vollgenuß des Daseins.”

Arthur Schopenhauer

Es bekämpften Bürokraten einen Abwasserkanal für das Wasserschutzgebiet, den sie aufgrund ihrer Verordnung selbst verlangten. So verquer kann unsere Bürokratie sein!

Aber welchen Sinn macht eine Verordnung, die nur für den gilt, der sich erkundigt oder eine Genehmigung beantragt? Für den wird sie wie der Knüppel aus dem Sack gelassen. Eine Verordnung, deren Einhaltung der Bürokratie selbst zu mühselig und teuer ist. Für die, die sie schufen, ist sie beliebig.

So ist die Verordnung eine Ohrfeige für alle, die sich korrekt verhalten. Sie werden zu den Dummen gemacht! Ihnen entbietet die Bürokratie ein Nein oder belastet sie mit Auflagen, deren Erfüllung zum Ding der Unmöglichkeit werden kann. Manchem frißt sie gar die Heimat weg.

Dabei trägt die Wasserschutzverordnung den Deckmantel des Gemeinsinns. Als ob es im Sinne aller wäre, bestimmte Häuser zu beseitigen, Grundstücke an das Wasserwerk zu verkaufen oder einen Gasanschluß einzurichten. Manche brauchen einen Kanal. Nebenan geht es auch ohne. Wenn das Wasserschutz sein soll ...?

Ist es Nettigkeit der Bürokraten, sich vor tragfähigen Lösungen für alle Bürger zu drücken? Oder ist es nur bequemer? Das Warten auf den richtigen Namen, der jedes Gebiet wie ein Sesam-öffne-Dich erschließt? Was sucht der Wasserschutz überhaupt in bestehenden Ortschaften? Wie viele Wohnhäuser wurden bis heute in seinem Namen sinnlos beseitigt? 

Und wie viele wurden unter diesem Vorwand Menschen abgekauft und dann nicht beseitigt? Manche todgeweihten Häuser begannen ein neues Leben im Schutzgebiet. Wurde die Verordnung nur dazu erlassen, um sie als ein Instrument der Willkür gegen einzelne Bürger zu richten?

Heimat ist ein kostbares Gut. Sie sollte erklärtes Schutzgebiet sein, für jeden Menschen auf der Erde!

Und der Verlust der Heimat schmerzt Menschen lebenslang. Umso mehr, wenn das Opfer, das sie erbringen mußten, ein Tribut der Sinnlosigkeit war. Auch eine Heimatstadt ist wertvoll. Wohl dem, der eine hat. Aber Heimatstadt kann nur diejenige sein, die ihren Bürgern nicht schadet.

Augsburg, im Februar 2009


Noch mehr Leseproben finden Sie auf einzelnen Seiten dieser Website. Das Buch ist jeder Buchhandlung erhältlich. Weitere Bücher von Karin Brandl unter:  www.alchima.de

[die Autorin] [Bürokratenkrieg ist Künstlerpech!] [brillen]

© Karin Brandl, Alchima Verlag


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